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Sturm- und Orkanwarnung: Was tun in den nächsten Stunden?

Wenn der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine Unwetterwarnung der Stufe 3 oder 4 herausgibt — also schwerer Sturm oder Orkan mit Böen über 100 km/h — bleiben oft nur wenige Stunden Vorlaufzeit. Stürme wie Sabine 2020, Ylenia 2022 oder Daniel 2023 haben gezeigt, was die Folgen sein können: umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer, abgerissene Stromleitungen, Tote.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und der DWD empfehlen einen klaren Drei-Phasen-Plan: Vorbereitung vor dem Sturm, Schutz während des Sturms, Aufräumen danach. Wer diese Schritte beherzigt, kann das Risiko für Mensch und Sachschäden drastisch reduzieren.

In diesem Ratgeber bekommst du eine konkrete Checkliste für jede Phase. Mit dem Notfallplan-Tool im Alarmplaner kannst du deinen persönlichen Sturm-Plan dokumentieren und im Ernstfall in Sekunden abrufen.

Welche Sturm-Stufen gibt es?

Der DWD nutzt die Beaufort-Skala von 0 (Windstille) bis 12 (Orkan). Relevante Stufen:

Beaufort Geschwindigkeit Bezeichnung Schäden
8 62-74 km/h Stürmischer Wind Äste brechen, kleine Schäden
9 75-88 km/h Sturm Dachziegel fliegen, Bäume kippen
10 89-102 km/h Schwerer Sturm Erste Gebäudeschäden
11 103-117 km/h Orkanartiger Sturm Massive Schäden
12 über 118 km/h Orkan Verwüstung, Lebensgefahr

Die Warnstufen des DWD:

  • Stufe 1 (gelb): Wetterwarnung — Vorsicht
  • Stufe 2 (orange): Markante Wetterwarnung — Beeinträchtigungen
  • Stufe 3 (rot): Unwetterwarnung — Gefahr
  • Stufe 4 (violett): Extreme Unwetterwarnung — Lebensgefahr

Phase 1: Vorbereitung (1–24 Stunden vor dem Sturm)

Außenbereich sichern

Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, kann zum Geschoss werden. Räume oder befestige:

  • Gartenmöbel — in den Schuppen oder Keller
  • Sonnenschirm und Pavillons — abbauen oder sicher anbinden
  • Mülltonnen — in die Garage oder Hauswand
  • Trampoline und Spielgeräte — abdecken oder demontieren
  • Pflanzkübel und Töpfe — am Boden oder unter Schutz
  • Fahrräder im Hof — anschließen oder reinholen
  • Wäscheständer und Wäsche — abnehmen
  • Fahnenstangen und Antennen — kontrollieren

Bäume prüfen

Hat der Baum im Garten lose Äste oder Schadbild? Bei akuten Warnungen: kurzfristig nichts mehr tun (Sturm ist da), aber vor der Saison durch Baumpfleger checken lassen. Tote Äste sind die häufigste Ursache für Sturm-Schäden an Personen.

Fenster und Türen

  • Alle Fenster schließen und verriegeln, auch Oberlichter
  • Rollläden runter — schützen vor Glasbruch
  • Garagentore schließen und verriegeln
  • Türschlösser prüfen — eine geschlossene Tür wird seltener aufgerissen

Auto sichern

  • Nicht unter Bäumen parken
  • Garage nutzen, falls vorhanden
  • Tiefgaragen sind ideal, wenn nicht hochwassergefährdet
  • Im Freien parkend: Mit Schutzdecke abdecken — kann Hagel- und Astschäden mindern

Notvorrat aktivieren

Sturm geht oft mit Stromausfall einher. Bereite vor:

  • Taschenlampe griffbereit, Batterien neu
  • Handy vollständig laden
  • Powerbank voll
  • Batterie-Radio funktionsbereit
  • Notvorrat an Wasser und Essen — drei Tage minimum
  • Bargeld — Geldautomaten fallen oft mit aus

Information

  • NINA-App und Warnwetter-App des DWD aktivieren
  • Lokalradio einschalten — gibt aktuelle Lageberichte
  • Cell Broadcast aktiv? (Standardmäßig seit 2023)
  • Versicherungs-Hotline ans Handy speichern

Phase 2: Während des Sturms

Drinnen bleiben — Hauptregel

Der wichtigste Satz: Geh nicht raus! 80 Prozent aller Sturm-Toten in Deutschland sind durch herabfallende Äste oder Trümmer im Freien gestorben. Das gilt auch für scheinbar kurze Erledigungen.

Vom Fenster wegbleiben

Bei extremen Stürmen können Fensterscheiben bersten. Halte dich in innenliegenden Räumen auf — Flur, Bad, Schlafzimmer ohne Außenwand. Bei Stufe 4 (violett): am sicherheitsten ist der Keller.

Strom abschalten?

Nur wenn das Wasser eindringt oder andere konkrete Gefahren drohen. Sonst: Strom an lassen, weil bei Wiederherstellung des Stroms (nach Ausfall) Geräte automatisch wieder anspringen können.

Notrufe und Information

  • 112 nur bei akuter Gefahr — Leitungen sind im Sturm überlastet
  • Lokalradio und NINA statt Telefon nutzen
  • Familienmitglieder im Haus halten
  • Tiere — Hund, Katze drinnen, beruhigen

Was tun bei Schäden während des Sturms?

  • Glasbruch: Bereich verlassen, Tür schließen, später aufräumen
  • Wassereintritt: Strom abschalten, Eimer/Plane drunter
  • Dachschaden: Erst nach dem Sturm prüfen — niemals während aufs Dach!
  • Stromausfall: Geduldig sein, NINA verfolgen

Phase 3: Nach dem Sturm

Vorsicht beim Rausgehen

Auch wenn der Sturm abklingt: Lose Äste können noch fallen, Stromleitungen abgerissen sein, Dachziegel lose. Die ersten Stunden besonders aufmerksam.

  • Niemals abgerissene Stromleitungen anfassen — Lebensgefahr
  • Bäume im Garten von unten betrachten — lose Äste melden
  • Dächer mit Fernglas prüfen — kein Selbst-Aufstieg
  • Kinder vom Aufräumen fernhalten

Schäden dokumentieren

Für die Versicherung:

  • Foto-Dokumentation vor Reparaturbeginn
  • Schadensliste mit Beschreibung
  • Beweise für Kausalität (Sturm hat Schaden verursacht)
  • Versicherung melden binnen 24–48 Stunden

Reparaturen

  • Notdurft-Reparaturen (Plane übers Loch im Dach) sofort
  • Endgültige Reparaturen durch Fachbetriebe — Wartezeit oft Wochen nach Großstürmen
  • Versicherung vor Großreparaturen kontaktieren — Gutachter muss den Schaden sehen

Strom-Wiederherstellung

Bei Stromausfall: Sicherungskasten prüfen, ob alle Sicherungen oben sind. Wenn nicht selbst herstellbar, beim Netzbetreiber melden (Nummer auf der Stromrechnung).

Spezial: Mehrparteienhaus

Als Mieter:

  • Hausverwaltung sofort informieren bei Schäden
  • Allgemeinflächen-Schäden (Treppenhaus, Dach) gehen an den Vermieter
  • Eigene Schäden (Wohnungs-Inhalt) über die Hausratversicherung mit Sturm-Schutz
  • Foto vor Aufräumen als Beweis

Spezial: Auto-Schäden

Wenn das Auto abgedeckt war oder im Freien stand:

  • Schaden fotografieren vor Bewegung
  • Vollkasko-Versicherung deckt Sturm ab
  • Teilkasko auch (Sturm ist explizit drin ab Beaufort 8)
  • Polizei nur bei Verkehrsstörung — Schadensaufnahme reicht über die Versicherung

Versicherungs-Wissen

Welche Versicherung deckt was?

  • Wohngebäude: Sturmschäden am Haus selbst (Dach, Mauern)
  • Hausrat: Schäden an Möbeln und persönlichem Eigentum
  • Glasversicherung: Fensterscheiben, oft separat
  • Kfz-Vollkasko / Teilkasko: Auto

Wichtig: Sturm-Schäden gelten ab Beaufort 8 als Versicherungsschaden. Bei niedrigerer Stufe wird's strittig — gute Foto-Dokumentation hilft.

Häufige Fragen

Wann ist der gefährlichste Zeitpunkt eines Sturms?

Meist zwischen Stufe 3 und 4 — also wenn die Böen am stärksten zulegen. Die "Augen" größerer Sturmtiefs ziehen oft schnell durch. Lokale Wetterberichte alle paar Stunden checken.

Soll ich den Sicherungskasten ausschalten?

Nur wenn Wasser eindringt oder akute Gefahr besteht. Sonst eingeschaltet lassen — die Stromversorger schalten bei Hauptleitungs-Schäden zentral ab.

Was ist mit Photovoltaik-Anlagen?

Moderne PV-Anlagen sind bis Beaufort 11 zertifiziert. Bei Orkan-Stufe 12 können einzelne Panels reißen. Versicherung über die Wohngebäude- oder Spezial-PV-Versicherung.

Wie lange dauert ein Sturm typischerweise?

Die intensive Phase (Stufe 3-4) dauert oft 3–8 Stunden. Der Vorlauf (Stufe 1-2) und Nachlauf können einen ganzen Tag dauern. Während der intensiven Phase nicht raus.

Was, wenn ich gerade unterwegs bin?

Wenn die Warnung kommt und du im Auto bist: Nächste Autobahnausfahrt nehmen, Tankstelle / Rasthof anfahren, dort warten. Niemals unter Brücken parken oder unter Bäumen abstellen.

Was ist der Unterschied zwischen Sturm und Orkan?

Sturm = Beaufort 9 (75 km/h+). Orkan = Beaufort 12 (118 km/h+). Dazwischen: Schwerer Sturm und orkanartiger Sturm. Die Schäden steigen exponentiell mit der Windgeschwindigkeit.

Wie warne ich Senioren in der Nachbarschaft?

Direkter Anruf, kurzer Besuch oder WhatsApp. Viele ältere Menschen haben kein Smartphone und sind auf NINA nicht erreichbar. Eine Sturm-Nachbarschaftshilfe organisieren — vor allem für allein lebende Senioren.

Fazit

Stürme und Orkane sind in Deutschland keine Seltenheit, sondern Saison-Geschehen. Mit guter Vorbereitung — Außenbereich gesichert, Notvorrat aktiv, Familie informiert — reduzierst du das Risiko massiv. Während des Sturms gilt die einfache Regel: Drinnen bleiben. Danach: Vorsichtig aufräumen und die Versicherung dokumentieren.

Mit dem Notfallplan-Modul des Alarmplaners erstellst du in 15 Minuten einen persönlichen Sturm-Plan, der genau zu deinem Haushalt passt. Im Ernstfall hast du alle Schritte und Kontakte sofort parat.

Quellen und weiterführende Links