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Notvorrat für 10 Tage — die BBK-Checkliste 2026

Stromausfall, Hochwasser, Hitzewelle, Lieferengpässe: Die Liste der möglichen Krisen, die uns für ein paar Tage zu Hause festsetzen können, ist in den letzten Jahren spürbar länger geworden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt in seinen aktualisierten Handlungsempfehlungen einen Notvorrat, der einen Haushalt mindestens 10 Tage lang ohne externe Versorgung über die Runden bringt.

Doch wie sieht so ein Vorrat konkret aus? Wieviel Wasser braucht eine vierköpfige Familie? Welche Lebensmittel sind sinnvoll, welche Mythen halten sich hartnäckig? Und wie verhindert man, dass die teuer gekauften Konserven nach zwei Jahren ungenutzt im Keller verfallen?

In diesem Ratgeber finden Sie die offizielle BBK-Checkliste 2026, übersichtlich erklärt und mit den wichtigsten Praxis-Tipps angereichert. Am Ende wissen Sie genau, was Sie einkaufen müssen, und können den Vorrat in einem entspannten Wochenend-Einkauf zusammenstellen.

Warum überhaupt 10 Tage?

Die 10-Tage-Empfehlung ist kein Zufallswert. Sie orientiert sich daran, wie lange im schlimmsten Fall die zentrale Versorgung in einer Krisenlage zusammenbrechen kann — etwa bei einem flächendeckenden Blackout, einer schweren Hochwasserlage oder einer Pandemie mit Quarantäne-Anordnungen. Innerhalb dieser zehn Tage können staatliche Hilfsstrukturen Versorgungs-Knotenpunkte aufbauen, die Logistik wieder anlaufen und die Strom- und Wasserversorgung repariert werden.

Frühere BBK-Empfehlungen sprachen von 14 Tagen. Diese wurden in der Praxis aber selten umgesetzt — der Aufwand war zu groß, der Lagerplatz fehlte. Mit den aktuellen 10 Tagen hat das BBK einen Wert gewählt, der realistisch erreichbar ist und gleichzeitig den Großteil aller plausiblen Krisenszenarien abdeckt.

Wichtig: 10 Tage ist die Untergrenze. Wer in einer abgelegenen Region wohnt, gesundheitliche Einschränkungen hat oder besonders abhängig von Strom und Wasser ist (etwa mit Pflegebedürftigen im Haushalt), sollte 14 bis 21 Tage einkalkulieren.

Wasser: Die wichtigste Position

Wasser steht ganz oben auf jeder Notvorrats-Liste. Während Erwachsene mehrere Wochen ohne Nahrung überleben, werden ohne Flüssigkeitszufuhr nach drei Tagen lebensbedrohliche Zustände erreicht.

Empfohlene Mengen pro Person

  • Trinkwasser: 2 Liter pro Tag
  • Brauchwasser (Hygiene, Kochen): 1,5 Liter pro Tag
  • Gesamt: 3,5 Liter pro Person und Tag

Für eine vierköpfige Familie ergibt das 140 Liter für 10 Tage. Das klingt viel, lässt sich aber in stapelbaren 6er-Packs (12 Liter pro Pack) gut unterbringen — etwa ein Dutzend Sechserpacks.

Praxis-Tipps Wasser

  • Stilles Wasser ist haltbarer als kohlensäurehaltiges (mehrere Jahre vs. 1–2 Jahre)
  • PET-Flaschen sind transportstabiler, Glas ist umweltfreundlicher
  • Lagerung kühl, dunkel und nicht direkt auf Beton (Schadstoffe können migrieren)
  • Eine zusätzliche Filterausrüstung (Aktivkohlefilter oder Keramikfilter) ergänzt den Vorrat ideal — falls die Notlage länger dauert
  • Heizungswasser, Schwimmbecken-Wasser oder Toilettenspülkasten-Wasser sind im Notfall keine Trinkwasser-Quellen, aber Brauchwasser-Reserven

Lebensmittel: Die richtige Mischung

Beim Essen liegt die Kunst in der Mischung. Reine Konservendosen werden schnell langweilig, reine Trockenwaren brauchen viel Wasser zum Zubereiten. Das BBK empfiehlt eine ausgewogene Auswahl, die 2.200 kcal pro Erwachsenen und Tag abdeckt.

Die Basis-Liste pro Person und 10 Tage

Lebensmittelgruppe Menge Beispiele
Getreideprodukte 3,5 kg Nudeln, Reis, Haferflocken, Knäckebrot, Mehl
Gemüse, Hülsenfrüchte 4,0 kg Konserven Mais/Bohnen/Erbsen, Linsen, Sauerkraut
Obst 2,5 kg Konserven, Trockenobst, Apfelmus
Milchprodukte 2,6 kg H-Milch, Hartkäse, Kondensmilch
Fisch, Fleisch, Eier 1,5 kg Konserven, Trockenwurst, Zwieback
Fette, Öle 0,4 kg Pflanzenöl, Butter (gekühlt)
Sonstiges nach Bedarf Salz, Zucker, Honig, Schokolade, Kaffee

Insgesamt ergibt das ca. 15 kg Lebensmittel pro Person für 10 Tage — eine vierköpfige Familie kommt also auf rund 60 kg, was sich in einem Vorratsregal von 1,5 x 0,5 Metern problemlos unterbringen lässt.

Was viele vergessen

  • Salz in Mengen, die über die normale Alltagsnutzung hinausgehen — wichtig zur Konservierung und für den Elektrolythaushalt
  • Vitamin-C-Quellen wie Sauerkraut oder Vitamin-Tabletten — Skorbut ist nach 2 Wochen ohne Vitamin C ein realistisches Risiko
  • Zucker und Honig — schnelle Energie, lange haltbar
  • Hartkäse in Wachs — hält ungekühlt mehrere Monate
  • Babynahrung und Spezialkost für Allergiker, falls relevant — handelsübliche Notvorräte sind oft nicht geeignet

Tierfutter und Medikamente

Wer Haustiere hat, muss deren Bedarf separat einplanen: Hunde und Katzen benötigen pro 10 Tage etwa 0,5 bis 2 kg Trockenfutter (je nach Größe) plus zusätzlich Wasser. Viele unterschätzen das Wasservolumen — eine Katze trinkt ungefähr 200 ml am Tag, ein Hund je nach Größe 0,5 bis 2 Liter.

Bei Medikamenten gilt: Mindestens den Vorrat für 10 Tage, idealerweise 14 Tage. Verschreibungspflichtige Mittel (Insulin, Blutdruckmittel, Schilddrüsenhormone) sollten Sie nie auf null laufen lassen — füllen Sie auf, sobald nur noch zwei Wochen Reserve da sind. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn ein größerer Vorrat sinnvoll wäre.

Hygiene und Sonstiges

Das vergessen erstaunlich viele: Bei einem Wasserausfall wird Hygiene zur größten Herausforderung. Ohne Toilettenspülung, ohne Dusche und ohne Waschmaschine reduziert sich die normale Lebensqualität rapide. Ein guter Notvorrat enthält:

  • Toilettenpapier: 4 Rollen pro Person für 10 Tage
  • Müllbeutel (große, robuste): mindestens 30 Stück — auch als Toiletten-Auskleidung
  • Feuchttücher: zum Ersatz fürs Duschen
  • Seife, Zahnbürste, Zahnpasta, Hygieneartikel für die Periode
  • Desinfektionsmittel und Einmal-Handschuhe
  • Erste-Hilfe-Set und Verbandsmaterial
  • Streichhölzer / Feuerzeug und Kerzen
  • Batterie-betriebenes Radio (für DAB+ und UKW)
  • Taschenlampen mit Ersatz-Batterien

Lagerung und Rotation: So bleibt der Vorrat aktuell

Der häufigste Fehler beim Notvorrat: Er wird einmal angelegt — und dann vergessen. Nach drei Jahren stellt man fest, dass die Hälfte abgelaufen ist und Mottenfallen-Reife erreicht hat.

Die Lösung heißt Rotation: Das, was Sie für den Notvorrat einkaufen, muss aus dem normalen Speiseplan stammen. Im Idealfall verbrauchen Sie alle 6–12 Monate die ältesten Konserven und kaufen frische nach. So altert nichts ungenutzt.

Praxis-Tipps Lagerung

  • Lagerort: kühl (10–18 °C), trocken, dunkel — Keller ideal, Dachboden ungeeignet
  • Beschriftung: Kaufdatum mit dickem Stift auf jede Konserve schreiben
  • First-In-First-Out: Neue Konserven nach hinten, alte nach vorne
  • Einmal pro Quartal: Schnell-Check, ob etwas demnächst abläuft
  • Liste am Schrank: Anzahl + Mindesthaltbarkeit notieren — erleichtert die Übersicht enorm

Was man NICHT braucht

Im Internet kursieren viele alarmistische Listen, die mit teuren "Survival-Paketen" zum Kauf verleiten. Das meiste davon ist für einen normalen Haushaltsnotvorrat überflüssig:

  • MREs / Astronauten-Nahrung: Teuer, nicht schmackhafter als normale Konserven, deutlich teurer
  • Wasserentkeimungs-Tabletten in Massen: Eine kleine Packung reicht
  • Iodtabletten "für den Atomfall": Werden im Ernstfall öffentlich verteilt — eine Vorrats-Packung schadet aber nicht
  • Generatoren / Solarpaneele: Sinnvoll, aber kein Muss für 10 Tage
  • Goldmünzen / Bargeld in 5-stelligen Beträgen: 200–500 € in kleinen Scheinen genügen

Kosten — Was kostet der Notvorrat?

Eine realistische Kalkulation für eine vierköpfige Familie:

  • Wasser (140 Liter): ca. 25 €
  • Lebensmittel (60 kg): ca. 250 €
  • Hygieneartikel: ca. 50 €
  • Sonstiges (Radio, Lampe, Erste-Hilfe): ca. 100 € (einmalig)

Gesamt: ca. 425 € für die Erstausstattung. Bei kontinuierlicher Rotation sind die laufenden Kosten praktisch null — Sie kaufen ja ohnehin Lebensmittel ein.

Häufige Fragen

Reicht es, einfach immer einen vollen Kühlschrank zu haben?

Nein. Ein Kühlschrank ist bei Stromausfall innerhalb von 12–24 Stunden warm und seine Inhalte verderben. Echter Notvorrat besteht aus ungekühlt haltbaren Lebensmitteln.

Was ist mit gefrorenen Lebensmitteln?

Diese gehören nicht zum Notvorrat. Bei einem Stromausfall müssen sie zügig verbraucht werden, sind aber nach 24–48 Stunden meist verloren.

Lohnt sich ein Outdoor-Kocher?

Ja, sehr sogar. Ein Spiritus- oder Gas-Kartuschen-Kocher (mit ausreichend Brennstoff) macht aus den Trockenwaren erst eine warme Mahlzeit — und das hebt die Stimmung in einer Krisenlage enorm. Lagerung der Kartuschen unbedingt fern von Hitzequellen!

Was, wenn ich keine Zeit für Detail-Planung habe?

Dann nutzen Sie den Alarmplaner-Vorratskalkulator. Geben Sie die Personenzahl ein und Sie erhalten in 30 Sekunden eine fertige Einkaufsliste mit allen Mengen — angepasst an die BBK-Vorgaben.

Fazit

Ein Notvorrat für 10 Tage ist kein Luxus für Untergangs-Propheten, sondern ganz nüchtern eine Versicherung gegen Versorgungsausfälle, die im Schnitt jeden Haushalt einmal pro Jahrzehnt betreffen. Die Investition ist überschaubar, der Aufwand mit der richtigen Rotation gering, und die Sicherheit, im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben, lässt sich nicht in Geld aufwiegen.

Beginnen Sie heute mit der Bestandsaufnahme: Was haben Sie bereits? Was fehlt noch? Ein einziger Wochenend-Einkauf reicht, um die Lücken zu schließen — und dann gehört der Notvorrat einfach zum Haushalt dazu.

Quellen und weiterführende Links